Die Phoniebox - RFID/NFC Musikplayer für Kinder selber machen

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Nachdem mein Sohn mit 2 1/2 Jahren einen CD Player bekommen hat und die CD's ständig verkratzt waren, konnten wir uns kürzlich die Toniebox in der städtischen Bibliothek ausleihen und testen.

Das Teil und die dazugehörigen Figuren sind wirklich toll konzepiert, aber folgende Punkte störten mich dann doch zu sehr, um selbst eine zu kaufen.

Nachteile der proprietären Lösung

  • Die Hörspiele als Toniefigur kosten teilweise dreimal so viel wie als CD oder MP3 und die Auswahl ist bisher gering im Vergleich zu klassischen CD's ( Quelle: Amazon.de)
  • Die Hörspiele sind cloud-technisch an das Unternehmen gebunden. Firma weg, alles weg bzw. nur noch so lang abspielbar, wie die Box funktioniert. (Ich kann aktuell meine teilweise 45 Jahre alten Kinderschallplatten oder meine eigenen Kassetten noch anhören und für die Zukunft digitalisieren)
  • Akku der Box scheint für Laien nicht wechselbar
  • Habe ich mehr als ein Kind und beide möchten sich die Hörspiele aber nicht die Box teilen, brauche ich mehrere Boxen, da man die speziellen Figuren nicht auf fremden Geräten abspielen kann
  • Eigene Hörspiele bzw. alte digitalisierte Schallplatten und Kassetten kann man nur mit dem Kauf von sogenannten Kreativtonies abspielen, was ebenfalls ins Geld geht und auch nur über die Cloud funktioniert
  • man bindet sich fest an das Ecosystem der Firma. Geht die Box kaputt und man möchte eine andere Art von Musikplayer, müßte man sich die vorhandenen Hörspiele erneut kaufen

Also habe ich ein wenig recherchiert und bin auf die Phoniebox gestoßen.

Die Phoniebox

Das folgende Bild zeigt unseren Vater-Sohn Eigenbau aus Holzresten: phoniebox.jpg

Die Vorteile der Phoniebox

  • DIY
  • Läßt sich mit RFID Karten, Aufklebern und Chips bedienen
  • komplett quelloffen (Linux, MPD, Python)
  • Auch lötfrei zu basteln (mit Knöpfen aber noch besser)
  • spielt alles ab => großer Kostenvorteil und damit auch für die Eltern nutzbar
    • Internetradio
    • Podcasts
    • Streams aller Arten
    • Praktisch jedes Audioformat
  • autonom komplett offline oder dank Wlan bequem über eine Web-App steuerbar
  • auch für Erwachsene eine unkomplizierte Alternative zu Handy+Bluetoothlautsprecher
  • Resume-Modus für Hörbücher oder Hörspiele sowie Shuffle und Repeat Modi
  • selbst reparier- und beliebig erweiterbar (LED's, Display, ein Backup etc.)
  • Kind kann mitbasteln und damit seine eigene Phoniebox bauen
  • Bauzeit: ca. 4h (Soft- und Hardware)
  • an der Open-Source Software wird regelmäßig gearbeitet und erweitert

Was wird benötigt

  • Grundlegende IT Kenntnisse inkl. Linux, 0€
  • Raspberry Pi (alle Modelle möglich), ca. 35€
  • RFID Reader USB, ca. 10€
  • RFID Karten oder Sticker, ca. 12€ für 50-100 Stück
  • Einfache USB Aktiv-Lautsprecher, ca. 10€
  • Micro USB Kabel mit Ein-Aus Knopf, ca. 6€
  • Powerbank als Akku, ca. 15€
  • Etwas Klebeband oder Kleber
  • Ein Gehäuse, idealerweise etwas vorhandenes und etwas Werkzeug zum Sägen und Bohren. Stattdessen geht auch ein Gehäuse aus Lego- oder Duplosteinen oder eine Zigarrenkiste usw.
  • Optional bei Einbau von Buttons/Bedienelementen:
    • 5 oder mehr Taster/Buttons ("momentary"), ca. 8€
    • 10 oder mehr Verbindungskabel für GPIO Anschlüsse (Dupont Kabel, Female-Female), ca. 2€ (pro Button werden zwei dieser Kabel benötigt)
    • Ein simpler Lötkolben aus dem Baumarkt , ca. 10€
    • Etwas Isolierklebeband

So sieht unsere Phoniebox von innen aus

phoniebox2.jpg

Da der erste Raspberry Pi (1er B+) zum Einsatz kommt, der noch keinen Wlan Chip integriert hat, wird zum Bespielen der Box mit neuen Inhalten ein Netzwerkkabel verwendet. Der RFID Leser ist mit Klebeband unterhalb des Deckels befestigt und im Bild nicht sichtbar. Die Holzreste hätten gerne dünner sein können, dadurch ist die Box jetzt sehr massiv und hat einen ordentlichen Klangkörper.

Neben den 5 Buttons für Vorwärts, Rückwärts, Play/Stop, Lauter, Leiser gibt es noch auf der Rückseite den Ein- und Ausschaltknopf, der die Stromzufuhr zwischen Powerbank und Raspberry Pi trennt. Die Lautsprecher und der RFID Leser sind direkt am Raspberry (USB) angeschlossen.

Wir verwenden RFID Karten zur Steuerung. Diese lassen sich mit wasserfesten Stiften bemalen. Idealerweise danach die Karten laminieren oder Tesastreifen drüber kleben, da die Schrift mit der Zeit stark verblasst. Will mein Sohn ein bestimmtes Hörspiel oder Album hören, legt er einfach die passende Karte kurz auf die Kiste und schon geht es los. Möglich wären auch RFID Aufkleber in Kombination mit Figuren.

Will man mehr Schalter oder LED's anschließen, wird zusätzl. GPIO Zubehör für den Raspberry (zumindestens für die alten Modelle) benötigt.

Die vollständigen Instruktionen

und alles was Du benötigen wirst findest Du auf http://phoniebox.de bzw. direkt bei GitHub https://github.com/MiczFlor/RPi-Jukebox-RFID.

Update 07.02.2019: Ich habe eine zweite Phoniebox gebaut, die als minimalistischer Nachfolger für meine alte klobige und stromfressende HiFi Anlage von 1999 gedacht ist.

Unterschied zur ersten und oben beschriebenen Phoniebox:

  • Die neue Box ist deutlich kleiner, stationär und hängt direkt an der Steckdose
  • Sie dient vor allem zum Abspielen von Webradios und Podcasts
  • Die hochwertigen Aktivboxen befinden sich ausserhalb der Phoniebox und benötigen aufgrund ihrer Größe und Leistung ein eigenes Netzteil
  • 6 klassische Joystick Buttons (vergleichbar mit dem guten alten Competition Pro). Solche sind für Kleinkinder besser geeignet als die schwerer zu betätigenden Schalter, die wir bei der ersten Phoniebox verwendet haben
  • RaspberryPi 3b (aktuelles Modell, deutlich schneller beim Start und dank integriertem WiFi kabellos online)
  • Hinweis: Auf eine zusätzliche USB Soundkarte, die viele Phoniebox Bauer aufgrund besseren Klangs verwenden, habe ich auch hier verzichtet, da mir der Klang des OnBoard-Audioausgangs gut gefällt