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Spikes-Reifen und Winterreifen für Fahrräder

Im Fediverse kommt alle Jahre wieder die Frage nach Erfahrung mit Spikes-Reifen und Winterreifen für Fahrräder. Um im Zukunft auf eine Zusammenfassung verweisen zu können, schreibe ich meine Erfahrungen hier als permanenten Eintrag auf:

Seit einem Glatteissturz mit einem Conti Winterreifen (ohne Spikes) fahre ich seit 2018 nur noch mit Spikes in der Glättezeit. Es war eine zugefrorene Wasserlache, unsichtbar unter einer dünnen Schneedecke und endete vergleichsweise glimpflich mit einem Muskelfaserriss im Bein. Gefährlich war, dass dies direkt vor der Querung einer viel befahrenen Landstraße passierte und ich ganz knapp bis an den Rand der Straße gerutscht bin.

Unterschiede Winterreifen & Spikes-Reifen

  1. Winterreifen
    • perfekt bei Schnee und Nässe
    • besitzt besonders viele Lamellen
    • hilft nicht bei Glatteis
    • leicht
    • spezielle Gummimischung: Bleibt weich bei niedrigen Temperaturen
      • bessere Haftung
      • höhere Rollreibung (= langsamer)
      • höherer Verschleiß bei hohen Temperaturen
  2. Spikes-Reifen
    • perfekt bei Glatteis
    • gut bei Nässe
    • mäßig bei Schnee (hat nicht die Lamellendichte des Winterreifen)
    • relativ schwer
    • besitzt ebenfalls eine für Kälte optimierte Gummimischung
    • hoher Rollwiderstand durch die Spikes (Ausnahme siehe weiter unten) und damit langsamer als ein Winterreifen
    • hörbare Laufgeräusche (Klingeln ist nicht mehr nötig)
    • Reifen müssen einige km auf Asphalt eingefahren werden, damit die Spikes gut in den Stollen des Reifens fest sitzen.
    • Spikes kann man bei Verlust mit einem speziellen Werkzeug nachrüsten
    • halten bei mir max. 2-3 Saisons, dann drücken sich die ersten Spikes so durch, dass sie den Schlauch beschädigen

Was ist für mich geeignet?

Je nach Wohnort und Höhenlage (und dank der Klimaveränderungen) bekommt man kaum noch nennenswerten Schnee zu sehen, dafür häufig Glatteis durch überfrierende Nässe.

Da man nicht beide Reifentypen gleichzeitig einsetzen kann, sollte man sich für das wahrscheinlichere Szenario vorbereiten. In meinem Fall gibt es im Stuttgarter Raum kaum noch Schnee zu sehen, dafür ist es morgens häufig nass und glatt. Daher haben sich für mich Spikes bewährt.

Welchen Reifen ich fahre

Weil es auch immer seltener glatt ist, fahre ich mittlerweile nur noch mit einem Spike-Reifen (vorne). Einen rutschenden Hinterreifen kann ich halbwegs kontrollieren, den vorderen dagegen nicht. Das ist mein persönlicher Trade-off und hat sich bisher gut bewährt.

Wir haben auch auf den Rädern der Kinder, meiner Frau und unserem tern Lastenrad und selbst bei meinem Faltrad vorne im Winter Spikes im Einsatz.

Ich verwende den Schwalbe Active Winter, da er nur halbseitig mit Spikes besetzt ist. Hat man den max. Reifendruck, berühren die Spikes den Boden praktisch nicht. So hat man fast einen normalen Winterreifen. Ist es dann glatt, muss man nur etwas Luft herauslassen und kann dann sicher fahren. So ist es auch mit der Lautstärke und der Rollreibung kein Thema.

Warum ich überhaupt Spikes-Reifen verwende

Hintergrund: Als Frostpendler fahre ich oft frühmorgens und spät Abends über Wald- und Forstwege bis zu 28 km pro Strecke. Da sind stellenweise gefrorene Pfützen oder Blätter immer mal möglich (siehe oben) und zudem findet mich auf den wenig befahrenen Wegen keiner rechtzeitig, wenn es mich einmal schlimm erwischen sollte.

Daher ist die Risikoreduktion zum Preis der reduzierten Laufeigenschaften für mich immer noch optimal und ich kann entspannt fahren und muss nicht mehr so sehr auf den Untergrund achten.